lufträume

WOHNTYPOLOGIEN FÜR EINE OFFENE STADT

MASterprojekt sommer 2019

Vor bis nicht allzu langer Zeit, war Berlin bekannt als Stadt der Brachen und Leerräume - Berlin, eine Stadt, in der fast alles denkbar war, die viele Freiräume bot, physisch und mental. Doch Berlin wächst, die Nachfrage nach neuem Wohnraum ist ungebremst. Die Bodenpreise steigen in das Unermessliche und damit auch die Mieten.

Die Wohnungsfrage ist schon längst zurückgekehrt.

 

Im Mittelpunkt des Masterstudios steht die Frage nach mehr “Luft “ im Wohnungsbau.

Luft, die als Folge der stetigen Rationalisierung dem Wohnungsbau und folglich auch der Stadt auszugehen droht.

Berlins Lücken und Leerstellen werden derzeit verbaut und mit einer Wohnbauproduktion versiegelt, die mit kompakten, auf die Mindesthöhe reduzierten und ausschließlich eingeschossigen Wohnungen kurzfristig maximale Rendiete verspricht.

 

Dabei wird total vergessen, dass wir nicht nur für das Jetzt Bauen, sondern dass die jetzt errichteten Gebäude uns und unsere Bedürfnisse überdauern werden. Dem Wohnraum und dem Stadtraum Luft zu verschaffen, bedeutet auch nachhaltig zu planen und eine Grundlage für nutzungsoffenere Strukturen zu schaffen, die auch für zukünftige Nutzungen Raum bieten.

 

Vor dem Hintergrund einer absehbaren Verwertung aller Restflächen durch die Immobilienwirtschaft soll aufgezeigt werden, ob diese Lufträume nicht vielmehr auch für Modelle eines Wirtschaftens mit Möglichkeiten stehen können. 

 

 

 

Die Orte unseres Entwurfprojektes sind Brüche im Block - entstanden durch zwei unterschiedliche Auffassungen von Stadt. Sie beschreiben die durch Kriegsschäden entstandenen Freiräume in der gründerzeitlichen Stadtstruktur, die bis heute durch die Setzung von Einheitsserien-Kaufhallen in 1970-er Jahren Leer - und Lufträume im Gefüge der Stadt erzeugen.

 

Ein Bruch im Block soll mit einem Wohnungsbau bebaut werden und gleichzeitig die jetzigen Qualitäten der Offenheit und Durchlässigkeit des Bruches fortschreiben. Das heißt, über das Wohnen hinaus soll das Gebäude so entwickelt werden, dass es das Grundstück nicht privatisiert, sondern der umliegenden Stadt weiterhin Möglichkeitsräume bereit hält.

 

Die Schaffung von Luft - und somit Raumreserven für eine spätere noch nicht bekannte Nutzung bedingt den Entwurf in allen Maßstäben.

- Luftraum für die Stadt: freie Bereiche für eine lebendige Nutzung des städtischen Raumes ermöglichen

- mehr Luft innerhalb der Gebäudestruktur: großzügige Erschließungen, die zur Aneignung einladen, bzw als Verlängerung des Wohnzimmers ausgelegt werden können und auch städtisches Leben innerhalb der Wohnstruktur ermöglichen

- und auch mehr Luft für die Wohnungen: Raumhöhe als Grundlage für eine offenere Bespielbarkeit

 

Um sich soviel “Luft” leisten zu können, hinterfragen wir die klassische Wohntypologie für die Kernfamilie, und fokussieren uns auf alternative Modelle des Zusammenwohnens.

 

 

Die Analyse kollektiver Wohnformen, die schon seit Jahrhunderten in unserer Gesellschaft existieren, sowie Kloster, Internat, Pflegeheim oder Hotel, ist unsere Basis für die Entwicklung eines Raumkonzeptes und Gebäudeentwurf für einen urbanen, kollekiven Wohnungsbau.